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Pfarrerin Andrea Thiemann übernimmt den Vorsitz von ImDialog, Amtseinführung am 12. 7. 2015

Fotogalerie1 vom 12.7.2015

Fotogalerie2 vom 12.7.2015

Pfarrerin Andrea Thiemann aus Bickenbach an der Bergstraße hat den Vorsitz des Evangelischen Arbeitskreises für das christlich-jüdische Gespräch – ImDialog übernommen. In einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Bickenbach wurde sie am Sonntag (12. Juli) von Oberkirchenrätin Christine Noschka (Darmstadt) und Dekan Arno Kreh (Heppenheim) in ihr Amt eingeführt. Sie ist die Nachfolgerin von Pfarrerin Gabriele Zander, die neun Jahre lang Vorsitzende des Arbeitskreises ImDialog war und ab Herbst eine Stelle als Leiterin des Pilger- und Begegnungszentrums der Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberg in Jerusalem antritt.

Pfarrerin Thiemann gehört seit über 10 Jahren dem Arbeitskreis ImDialog an, der sich die Aufgabe gesetzt hat, die theologischen Verbindungen zwischen Christentum und Judentum in die kirchliche Gemeindebasis zu vermitteln.

In ihrer Ansprache überbrachte Oberkirchenrätin Noschka Glückwünsche und Gratulation der Kirchenleitung der EKHN. Sie bezeichnete den Arbeitskreis ImDialog als wichtigen Akteur in der Kirche, der wichtige Fragen nach dem christlich-jüdischen Verhältnis wach hält. Wobei sie zugestand, dass es möglicherweise nicht immer einfach sei, sich mit den eigenen Reflexionen innerhalb der Kirche und der Gemeinden Gehör zu verschaffen.

In ihrer gemeinsamen Dialogpredigt über Martin Luthers Rechtfertigungslehre führten die beiden Pfarrerinnen aus, dass der Glaube an den gnädigen Gott der Geist Gottes sei, der die ganze Bibel durchwehe. In diesem Sinne verbinde der Glaube und das Vertrauen in den gnädigen Gott Jüdinnen und Juden, Christinnen und Christen.

Somit sei Luthers zentrale Frage „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott,“ das Anliegen Luthers in seiner Zeit gewesen, um z.B. dem päpstlichen Ablasshandel im aufgeklärten Sinne aus den Schriftworten Neuen und Alten Testaments heraus eine Absage zu erteilen. Die Frage des gläubigen Juden Paulus in seiner Zeit, auf dessen Ausführungen im Römerbrief sich Luther u.a. beziehe, sei dagegen eine andere. Als Apostel, der sich zu den Völkern gesandt sah, wollte er den Glauben seiner jüdischen Glaubensgeschwister für Nichtjüdinnen und Nichtjuden, für die Menschen aus den Völkern, öffnen. „Sola gratia – allein aus Glauben“ – die große Entdeckung Luthers sei auch im jüdischen Glauben zu finden, ganz ähnlich wie das „sola scriptura – allein die Schrift“, die uns frei mache von der Lehre mancher Obrigkeiten und vermeintlicher Lehrer.

Zusammenfassend plädieren die beiden Pfarrerinnen dafür, dass die beiden Ausgangpunkte von Luthers Denken, die Bibel selbst und die Vernunft, uns dazu führen mögen, mit Luther gegen Luther weiterzudenken und weiterzugehen!

Als Resonanz auf die Lutherausstellung des Arbeitskreises ImDialog, „Drum immer weg mit ihnen“, Luthers Sündenfall gegenüber den Juden, die vier Wochen in der Stephanskirche in Bickenbach zu sehen war und mit drei Vorträgen über Luthers Verhältnis zu den Juden sowie einem Gemeindefest mit Luthermusical des Kinderchores begleitet wurde, führte Pfarrerin Thiemann aus: „Insgesamt war der Tenor: ‚Eine Aufarbeitung ist unerlässlich‘ und es ist gut, dass die Synode der EKHN mit ihrer kritischen Stellungnahme zu Martin Luthers sogenannten „Judenschriften“ offiziell reagiert hat! Im Gegensatz zur EKD, von der eine solche Stellungnahme noch fehle.

Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von Organistin Christiane Schmidt und dem Ensemble De Roode Pelikan.

Über ihre Arbeit bei ImDialog sagt Andrea Thiemann: „Durch den Kontakt zu den Pfarrerinnen und Pfarrern im Arbeitskreis ImDialog konnte ich mir überhaupt erst vorstellen, selbst einmal als Pfarrerin in der Landeskirche in Hessen und Nassau zu arbeiten. Aufgrund meiner eigenen kirchlichen Sozialisation war es befreiend für mich zu erleben, dass der christliche Verkündigungsauftrag nicht in Abgrenzung und Abwertung des Judentums, sondern in Anerkennung der bleibenden Erwählung des Volkes Israel und im Dialog mit Jüdinnen und Juden wahrgenommen werden kann. Ich freue mich über das Vertrauen, das mir der Arbeitskreis durch die Wahl zur Vorsitzenden, entgegenbringt und hoffe, auch das Interesse und das Verständnis der Menschen in Bickenbach und an der Bergstraße für die Notwendigkeit eines respektvollen und wertschätzenden Umgangs mit Andersdenkenden und Andersglaubenden zu wecken! Gabriele Zander, die den Arbeitskreis während ihrer Amtszeit hervorragend profiliert und weiter ausgebaut hat, wünsche ich einen segensreichen Dienst als Pfarrerin auf der Auguste Viktoria. Als erste Studienreise für ImDialog plane ich den Besuch der von unserer Kirche geförderten Projekte in Israel. Liebe Gaby, ‚nächstes Jahr in Jerusalem‘, werden wir uns wiedersehen!“

Gabriele Zander leitete seit neun Jahren den kirchlichen Arbeitskreis neben ihrer Tätigkeit als Studierendenpfarrerin in Darmstadt. Im Rückblick auf ihre Arbeit als Vorsitzende im Arbeitskreis ImDialog sagt sie: „Die gesellschaftlichen Debatten der letzten Zeit, z. B über die Beschneidung oder die antijüdische Schattenseite des Reformators Martin Luther, die Rufe antisemitischer Parolen bei Gaza- Solidaritäts-Demonstrationen und das Ringen um eine angemessene Haltung der Kirchen angesichts des Nahostkonflikts haben gezeigt, dass der christlich-jüdische Dialog nichts von seiner Relevanz verloren hat. Im Gegenteil: im Gegenüber zu den jüdischen Gemeinden gilt es, das Vertrauensverhältnis, das wir in den letzten Jahrzehnten gewinnen konnten, nicht zu verspielen, und in unseren Kirchen werden wir noch weitere Schritte der kritischen Revision und Neuformulierung unserer Theologie angesichts des Dialogs mit dem Judentum gehen müssen. Gerade die wieder aufgebrochene Diskussion, ob das Alte Testament für die Kirche noch kanonische Geltung haben sollte, zeigt, dass das Gemeinsame und Verbindende der beiden Religionen anscheinend keine Selbstverständlichkeit ist. Ich hoffe, dass das 25- jährige-Jubiläum unserer Grundartikelerweiterung zur bleibenden Erwählung der Juden im nächsten Jahr Raum gibt für das Weiterdenken christlicher Theologie im Gegenüber zum Judentum.“

Die 48-jährige Andrea Thiemann ist seit vier Jahren Gemeindepfarrerin in Bickenbach. Vorher war sie Vikarin in der Darmstädter Thomasgemeinde und Spezialvikarin im Zentrum Ökumene (Frankfurt) im Bereich Interreligiöser Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen. Bevor Andrea Thiemann in den kirchlichen Dienst trat, arbeitete sie als Diplom Verwaltungswirtin im IT-Bereich der Deutschen Post AG. Christliche und jüdische Theologie studierte sie in Heidelberg und an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Knapp neun Jahre lang leitete sie die Regionale Bildungsarbeit im christlich-jüdischen Dialog für den Internationalen Rat der Christen und Juden im Martin-Buber-Haus in Heppenheim. Auf diese Zeit geht ihre Mitgliedschaft im Arbeitskreis ImDialog zurück.

Der Arbeitskreis ImDialog besteht unter verschiedenen Namen bereits seit über 63 Jahren und hat mit Pfarrerin Thiemann seine fünfte Vorsitzende. Gegründet hatte den Arbeitskreis Dr. Adolf Freudenberg im Jahr 1952.


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